Protokoll
Bundesversammlung der Netzwerke
Bremen, 26.-28.4.1985
Situation in den Netzwerken
Dazu haben die Bremer eine Broschüre
"Die Netzwerk-Landschaft" mit Beiträgen von 16 Netzwerken erstellt.
Bei der Vorstellungsrunde äußerten sich deshalb insbesondere die Netzwerke,
von denen kein schriftlicher Situationsbericht vorlag.
Berlin
Sie haben bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres DM 250.000,- und
damit die Hälfte des Jahresetats ausgegeben. Die Mitgliederversammlung hatte
den Vorstand zu mehr politischen Aktivitäten verdonnert, doch zeigte sich, daß
die "Null-Tarif-Kampagne" auf sehr wenig Resonanz stieß. Die nächste
MV wird über weitere Aktivitäten oder die Fortführung entscheiden müssen.
Landsberg
Das Netzwerk stellt in dieser Region die einzige konstruktive politische
Kraft dar. Es hat bei den Kommunalwahlen die Wahlkampfkosten der AL - mit der
starke personelle Verknüpfungen bestehen - ersetzt und sich damit bewußt von
Grünen und SPD abgesetzt. Der Rundbrief erscheint mit einer 500er Auflage mit
dem Ziel, von den bisher 100 Mitgliedern demnächst auf 400 zu kommen. Dazu
dient auch ein "Bildungsprogramm vor Ort", das auf den Dörfern
angeboten wird und starke Resonanz findet. Dabei werden vor allem die
Informationen aus CONTRASTE verwendet. Die Gemeinnützigkeit wird angestrebt,
evtl. mit einem zusätzlichen Verein.
Bremen
Das Netzwerk erweist zusehends als Lobbyverein.
Köln
Vom Netzwerk waren nur Frauen anwesend. Nicht zuletzt durch die
Veranstaltungen, z.B. "ökofonds", "Computer in
Alternativ-Projekten". "Alternativ-Projekte in NRW (MAGS-Studie)",
die immer gut besucht waren, hat die momentane Mitgliederzahl von 150 eine
steigende Tendenz. Nachdem sich die Projektberatung abgespaltet hat, macht die
Aktivistengruppe wieder mehr selbst und bietet ein gutes Team, das sich
wohlfühlt. Zwei ABM-Stellen sind im Hinblick auf die NRW-Wahl beantragt.
Aachen
Etwa 100 Mitglieder und 1.000,- DM/Monat. Die ca. 15 Aktiven führen
ebenfalls Veranstaltungen durch und beteiligen sich an der Staatsknetediskussion
in NRW.
Münster
Früher 300, jetzt 250 Mitglieder. Das Netzwerk hat drei mit 150,- DM im
Monat bezahlte Bürokräfte, wobei eine Kraft — ein ehemaliger Lokalredakteur
- für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Es wurden bisher DM 17.000,-
(davon DM 11.000,- Darlehen) im Jahr gefördert. Einige Ex-Beiräte haben sich
als Projektberater außerhalb des Netzwerks institutionalisiert; die
Gemeinnützigkeit ist beantragt.
Dortmund
Die NRW-Wahl und die Aussicht auf Staatsknete hat die NRW-Netzwerke an einen
Tisch gebracht und verschiedene Beratungskonzepte zur Diskussion gestellt:
a) Kollektive Beratung ("Projekte beraten Projekte")
b) Hauptamtliche Beratung im Netzwerk
c) SPD-Beratungszentren mit 3 Mio. Etat
a) + b) werden in den Netzwerken unterschiedlich diskutiert; Dortmund lehnt
b) ab, weil bereits die geschaffene ABM-Stelle die Arbeit stark verändert hat.
Hamburg
Das Netzwerk mit 400 Mitgliedern wird getragen von 40—50 Aktiven und 5 AGs,
die alle ehrenamtlich sind:
a) Beirat (20.000,- DM jährlich).
b) Projektberatung (mehrmals wöchentliche Treffs).
c) Finanzierung (DKV, Ökobank).
d) STATTbau GmbH als alternativer Sanierungsträger (Netzwerk + "Mieter
helfen Mieter e.V." + "Autonome Jugendwerkstätten" als
Gesellschafter der GmbH).
e) Staatsknete (Tendenz: Finger weg).
Die Veranstaltungen und Seminare, z.B. "Existenzgründung",
"Buchhaltung I" und "Buchhaltung II", sind immer gut
besucht.
Düsseldorf
Da ein Netzwerk-Aktivist ais Grüner in den Liegenschaftsausschuß der Stadt
Düsseldorf kam, wurde versucht, die Stadt als Mitglied des Netzwerks mit einem
monatlichen Beitrag von 5.000,- DM zu gewinnen. Dies wurde knapp abgelehnt, aber
immerhin kam es so zu einem jährlichen Zuschuß von 60.000,-DM aus dem
kommunalen Haushalt (mit der Auflage "Wirtschaftsförderung" = keine
Förderung von sozialen Projekten). Außerdem wird eine Stelle beim Netzwerk
(BAT 4) aus dem NRW-Haushalt (§ 20.1. BSHG) finanziert. Sie sehen sich als
Beispiel dafür, mit mehr Selbstbewußtsein auf kommunaler Ebene Finanzmittel zu
fördern.
Stuttgart
Durch das Theaterhaus, für das das Netzwerk die Finanzierungsseite
übernommen hat, ist das Netzwerk total mit Arbeit überlastet. Trotzdem wurde
bisher keine ABM-Stelle beantragt. Die DKV-Beratung ist derzeit ebenso kostenlos
wie für nichtkommerzielle Projekte (Jugend-, Frauen-Haus etc.). Kommerzielle
Betriebe werden an die Steuerberatungsgesellschaft verwiesen, in der Netzwerker
tätig sind.
Emsland
Mit einem Jahresetat von 10.000,- DM wurden bisher vier Projekte
unterstützt. Die bisherigen Infoveranstaltungen wurden leider nicht besucht.
Ostfriesland
Die Netzwerk-Arbeit wird von einer ABM-Stelle getragen. Durch monatliche
Treffen und Besuche bei den Projekten werden Kontakte zwischen Jungbauern und
Bioläden und den Arbeitslosen-Inis hergestellt.
Kiel
Das Netzwerk hat 100 Mitglieder und auf halbjährlichen Treffen werden die
10.000,- DM Jahresetat vergeben. Es hat drei ABM-Stellen, die vorher von der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft
getragen wurden.
Niedersachsen