STADTTEILGENOSSENSCHAFTEN
"Was Menschen zum Leben brauchen"
- soziale und wirtschaftliche Teilhabe auf lokaler Ebene sichern
Gesellschaftliche Teilhabe aller,
Nachhaltigkeit, Demokratie und Selbstorganisation sind die Kernideen der
Gemeinwesenökonomie. Für die zukunftsfähige Organisation des Sozialen können
sie als verallgemeinerbar angesehen werden. Welche Organisationsform vor Ort
aber kommt diesen Anforderungen im Idealfall am nächsten? Genossenschaften und
zwar Stadtteilgenossenschaften drängen sich hier als Dach, Rahmen bzw. Trägerschaft
geradezu auf. In ihnen steckt alles, was für die Umsetzung einer konsequenten
Gemeinwesenökonomie wesentlich ist. Der Schwerpunkt veranschaulicht dies durch
konzeptionelle und praktische Beispiele.
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Stadtteilgenossenschaft Sonnenberg eG,
Chemnitz: Mitglieder tragen sich in Gründungsurkunde ein
Foto: Winfried Haas
Burghard Flieger, Red. Genossenschaften -
"Gemeinwesenökonomie dient der Erhaltung der materiellen und
nicht-materiellen Lebensgrundlagen des Gemeinwesens und soll den Zugang aller
Gesellschaftsmitglieder, insbesondere der benachteiligten, an diesen
Lebensgrundlagen gewähren," betont Susanne Elsen, Professorin an der
Fachhochschule München, immer wieder in ihren verschiedenen Ausführungen zu
den Perspektiven der sozialen Arbeit. "Sie sichert die sozialen und ökonomischen
Teilhaberechte auf lokaler Ebene, die den Benachteiligten unter den Folgen der
neoliberalen Globalisierung ... zunehmend vorenthalten werden. Es geht um die
selbstbestimmte Nutzung der Potentiale der Bevölkerung, die Erhaltung des
Sozialen Kapitals und die Sicherung, Nutzung und Schaffung dessen, was Menschen
zum Leben brauchen. Dazu gehören ein Dach über dem Kopf, Grund und Boden, eine
existenzsichernde Arbeit, eine angemessene Infrastruktur, sauberes Wasser
etc."
Stützender Rahmen
Kooperation und Vernetzung auf lokaler Ebene, zumal wenn neben sozialen
Aspekten auch wirtschaftliche Aktivitäten eine zentrale Rolle spielen, benötigen
für die Trägerschaft einen rechtlichen Rahmen. Die Organisationsform der
Genossenschaft mit ihrer Bedarfsorientierung (Förderprinzip), der Übereinstimmung
von EigentümerInnen und Nutzenden (Identitätsprinzip), der Ausrichtung auf
Personen (Demokratieprinzip) und der Berücksichtigung der Gemeinschaft
(Solidaritätsprinzip) stellt hierfür einen Rahmen zur Verfügung. Dieser
erleichtert, die hohen Ansprüche umzusetzen, die sich meist nur mit vielen
Abstrichen und Schwierigkeiten verwirklichen lassen.
Wie wichtig ein solcher Rahmen ist, verdeutlicht der einleitende Beitrag, der
die Vielfalt von Interessen unter einem Dach als besonderes Kennzeichen von
Stadtteilgenossenschaften herausarbeitet. Entsprechend werden am Ende des
Artikels strukturelle Hilfen für die Satzungsgestaltung formuliert, um so den
unterschiedlichen Anforderungen Rechnung zu tragen. Als Ausblick des
Schwerpunkts erfolgt die Ankündigung einer Tagung, die vom 06. und 07. Juli
2007 in Chemnitz stattfindet. Auf dieser erfolgt eine Verortung der
Stadtteilgenossenschaften im Rahmen der Kooperativen Stadtumbau- und der
gemeinschaftlichen Stadtentwicklung. Sie wird einen umfassenden aktuellen Überblick
über die gegenwärtige Praxis von Stadtteilgenossenschaften geben.
Mühen der Ebenen
Diese Praxis von den aufwendigen Schritten zur Gründung bis zum schwierigen
Alltag - Mühen der Ebenen - wird im Schwerpunkt anhand von drei Beispielen erläutert.
Der Stadtteilgenossenschaft Sonnenberg eG als einer der wichtigen Akteure im
Stadtumbau in Chemnitz ist es bisher gelungen, sowohl bei den
Wohnungsunternehmen, bei der Stadtverwaltung als auch bei anderen Partnern die
erforderliche Akzeptanz zu erwerben. Sehr viel engagierte Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit
war dafür notwendig. Wie unterschiedlich die Entwicklungswege von
Stadtteilgenossenschaften sein können, zeigen die anderen beiden Beispiele. Während
der SBS, Sozialer Betrieb Sulzbach, vor allem auf die Einbindung lokaler
Organisationen aus dem sozialen Bereich wie Diakonie und Caritas setzt, stehen
beim Netzwerk Wehlheiden Handwerker und KleinunternehmerInnen als Akteure im
Vordergrund. Sie hoffen, durch Provisionsgeschäfte bei der Auftragsvermittlung
die eigenkapitalschwache Stadtteilgenossenschaft behutsam
"aufzurichten".
Schwerpunktthema Seite 7 bis 10
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SCHWERPUNKTTHEMA
Stärke in der Vielfalt - Stadtteilgenossenschaften bündeln Engagement
vieler Interessengruppen
Seite 7
Sonnenberg eG Bürgerarbeit aktivieren
Seite 8
Sozialer Betrieb Sulzbach eG Genossenschaft schafft Arbeitsplätze
Netzwerk Wehlheiden - Energisch regional!
Seite 9
Buchbesprechung, Tagungshinweis: "Stadtteilgenossenschaften und
Stadtumbau"